„Zahnkrone zum Nulltarif“ – Teil 1

Im Jahr 2005 wurde vom Gesetzgeber der sogenannte Festkostenzuschuss eingeführt. Bis heute hat es mich gewundert, dass der Widerstand dagegen aus der Zahnärzteschaft heraus relativ gering war. Wahrscheinlich glaubte man, dass der Festkostenzuschuss ein schönes Vehikel zur Erzeugung von 80 Millionen Selbstzahlern wäre. Ein grandioser Trugschluss, wie sich herausstellen sollte.

Und so türmten sich in deutschen Zahnarzt-Praxen die Leitzordner mit nicht realisierten Heil- und Kostenplänen. Die ganze Branche litt. Nicht nur die Zahnärzteschaft, nein, auch die zahntechnischen Labore. Spätestens im Jahr 2006 hatte die Chose dramatische und existenzbedrohende Züge angenommen. Die 80 Millionen Patienten streikten, denn sie wollten und konnten nicht Privatpatient werden.

Prolog mit Bildzeitung

Manchmal reitet einen der Teufel. Und weil es Ende 2004 nichts wirklich Neues gab, habe ich ein bisschen gezündelt. Das führte zu einer Titelgeschichte bei der Bildzeitung, was mich um ein Haar den Kopf gekostet hat. Nun ist aber, wie der Kölner so richtig sagt, nichts so schlecht, dass es nicht doch für etwas gut wäre.

Genau dieser Bild-Titel führte einen Zahnarzt nebst Begleitung in die Räume der Informationsstelle Gesundheit. Die Herrschaften suchten mit einer Idee für das Praxismarketing die Öffentlichkeit, die ich, wie ja in ihren Augen gezeigt, herzustellen in der Lage war. Es ging um ein „Best-Preis“-Angebot an die Patienten.

„Zahnkrone zum Nulltarif“ im Testlauf

In buntesten Farben wurden mir die wirtschaftlich katastrophalen Zustände in deutschen Zahnarztpraxen beschrieben. Nach langer Diskussion war klar, wir hatten eine „Fielmann-Situation“ vorliegen. Man konnte mit Hilfe von Auslands-Zahnersatz eine einzelne Zahnkrone ohne Zuzahlung seitens des Patienten anbieten. Die Idee der „Zahnkrone zum Nulltarif“ war geboren, ein heikles Unterfangen. Wie aber sollte man das ausprobieren? Wer wollte dafür den Kopf hinhalten?

Wasch mich, mach mich aber nicht nass.

Die Patientenorganisation Deutsche Patientenhilfe e.V. sprang in die Bresche. Kleinanzeigen wurden entwickelt. Dort offerierte die „Zahnhilfe-Praxis“ der Deutschen Patientenhilfe suchenden Patienten, Ihnen telefonisch Praxen zu nennen, bei denen die „Zahnkrone zum Nulltarif“ erhältlich sei. Ich hatte in der Zwischenzeit gelernt, dass man solche Attacken am besten aus einer gesicherten Abwehr heraus fährt. Die Teststadt war Remscheid im Bergischen Land. Die Anzeige erschien am Samstag. Wir hatten Wochenende. Friede lag über den Wassern.

Am Montagmorgen war im Call-Center der Informationsstelle Gesundheit die Hölle los. Es klingelte auf allen Leitungen. Und das ging die ganze Woche so weiter. Mit der „Zahnkrone zum Nulltarif“ war es mir einfach so gelungen, aus der hohlen Hand ein Werkzeug für das Praxismarketing zu kreieren. Den notleidenden Praxen konnte also mit einem simplen Marketingtool geholfen werden. Doch der Beifall blieb aus.

Krawall auf der ganzen Linie

Es dauerte noch zwei Wochen, da hatten wir ein paar zehntausend Gegner. Nicht nur die deutschen Zahntechniker fanden „Nulltarif“ existenzschädigend, nein, einfach alles und jeder fühlte sich berufen, massiv dagegen anzustinken. Ganz vorne dabei natürlich auch die zahnärztlichen Standesvertretungen, die zum Teil bis 2007 noch nicht mitbekommen hatten, dass der Festkostenzuschuss eingeführt worden war. Es erinnerte mich an das Zitat von Peter-Paul Zahl: „Keine Freude gleicht dem Aufruhr“. Es rauschte im Blätterwald.

Dankenswerterweise haben diese Herrschaften mir das Leben sehr erleichtert, denn damit wurde die ganze Zahnärzteschaft auf die Möglichkeit aufmerksam, mit der „Zahnkrone zum Nulltarif“ Praxismarketing machen zu können. Und das, ohne seinen eigenen Namen nennen zu müssen. Wir praktisch. Die Aktion dehnte sich quasi von alleine bundesweit aus, denn die Not war groß. Nach drei Monaten hatten wir knapp 100 Zahnarztpraxen, die sich beteiligten.

Lesen Sie auch den zweiten Teil der Story unter Zahnkrone zum Nulltarif – Teil 2

„Zahnkrone zum Nulltarif“ – Teil 1
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